Wohnen in Australien - nextstopmelbourne.com

Wohnen in Australien – was ist anders?

Ein anderes Land, andere Sitten. Kein Wunder, dass das Wohnen in Australien anders ist als du und ich es gewohnt sind. Aber wundern kann man sich manchmal doch.

Seit meiner Ankunft in Australien 2017 habe ich bereits fünf Umzüge hinter mir; erst von einem Airbnb-Apartment zum nächsten, dann – nach rund drei Monaten – in meine erste richtige Mietwohnung und knapp sieben Monate später in die zweite. Denn der Vermieter verkaufte kurz nach unserem Einzug die Wohnung und der neue Besitzer wollte das Apartment selbst nutzen.

Jahresverträge sind üblich

An häufige Wohnungswechsel muss man sich als Mieter in Australien gewöhnen. Mietverträge laufen hier in der Regel nur für ein Jahr. Dann heißt es weiterziehen oder einen neuen Vertrag aushandeln.

Alternativ geht der Mietvertrag nach Ablauf des Jahres in einen monatlichen Vertrag über. Vermieter wie Mieter können dann von einem Monat auf den anderen kündigen. Manche Mietverhältnisse bestehen so jahrelang weiter.

Küche und Schränke gibts inklusive

Ein Plus bei australischen Mietwohnungen ist, dass sie meistens teilmöbliert sind. Küche, Schränke, Lampen, Jalousien und oft auch Klima- und Heizanlagen sind bereits installiert, wenn du einziehst. So wirst du zwar niemals zu deiner Traumküche kommen, dafür sparst du einiges Geld – gerade wenn du unter Umständen im Jahrestakt umziehen musst.

‚Teilmöbliert‘ leider oft auch Teppichboden ein. Ich musste lange suchen, bevor ich ein Apartment fand, in dem ’nur‘ im Schlafzimmer Teppich verlegt ist. Bevor du einen Mietvertrag für eine Wohnung mit Teppichboden unterschreibst, vereinbare mit dem Vermieter am besten, dass er die Böden vor Einzug professionel reinigen lässt.

Viele Apartment-Gebäude haben außerdem eine ‚community area‘ für Mieter. Manchmal ist das eine Dachterasse, manchmal ein Garten. Häufig sind die Gemeinschaftsbereiche mit Gasgrills ausgestattet, so dass man Partys und Familienfeiern von der Wohnung ins Freie verlegen kann. In den luxuriösen Wohngebäuden in Australiens Innenstädten finden sich oft sogar Schwimmbäder und Fitnessstudios; die Nutzung ist mit der Miete abgedeckt.

Gewöhn dich an kalt-heiße Wohnungen

Die Temperaturen in meiner Wahlheimat Melbourne sinken im Winter normalerweise nicht unter fünf Grad. Zwar machen Regen und Wind die Wintertage unangenehm, doch frieren muss man nicht – zumindest nicht im Freien.

Anders in Innenräumen: Geringe oder nicht vorhandene Isolierung und Einfachverglasung führen dazu, dass es innen fast genauso kühl ist wie außen.

Zudem ist kaum ein Gebäude in Australien mit einer Zentralheizung ausgestattet. Statt dessen greift man auf Elektro- und Gasöfen, Klimaanlagen mit Heizfunktion und Heizdecken im Bett zurück.

Im Sommer dagegen kommt es zum umgekehrten Effekt: Selbst bei geschlossenen Fenstern und heruntergelassenen Jalousien dringt die Hitze in die Wohnung und die schwüle Luft steht bis nachts in den Zimmern.

Von einigen Bekannten weiß ich, dass sie im Sommer im Wohnzimmer schlafen, mit dem Bettenlager direkt unter der Klimaanlage.

Haken und Nägel sind tabu

Als ich in meine erste australische Mietwohnung gezogen bin, habe ich mich vor allem über eins gewundert: dass es Mietern nicht erlaubt ist, Wohnungen in irgendeiner Form zu verändern – und sei es auch nur, einen Nagel in die Wand zu schlagen.

Gerahmte Bilder aufzuhängen oder Haken anzubringen ist tabu. Wer zumindest Poster an den Wänden anbringen will, behilft sich mit ‚Blue-Tack‘, blauer Klebeknete. Es ist beihnahe Nationalsport, alle paar Wochen die Knete auszuwechseln und Reste der blauen Masse von den Wänden zu kratzen.

Streichen ist ebenfalls ein No-Go. Zwar hat das den Vorteil, dass du dir diese Arbeit bei einem Wohnungswechsel sparst. Andererseits erbst du oft Striche, Flecken und Kratzer, die deine Vormieter an den Wänden hinterlassen haben.

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Putzen ist Pflicht

In Deutschland würde kaum ein Vermieter auf die Idee kommen, Hausbesuche abzustatten und zu kontrollieren wie sorgsam die Mieter seine Wohnung behandlen. Australische Vermieter dagegen haben das Recht, ihr Eigentum regelmäßig zu inspizieren.

In South Australia dürfen sie das sogar einmal pro Monat; andernorts mindestens einmal im Halbjahr. In den meisten australischen Staaten genügt es, die Mieter 24 Stunden im Voraus über die Inspektion zu informieren.

Australische Vermieter machen von diesem Recht intensiv Gebrauch. Meistens führen sie ihre ‚inspections‘ unter der Woche zwischen 9 und 17 Uhr durch. Du als Mieter kannst entscheiden, ob du dir von der Arbeit frei nimmst oder den Vermieter alleine in die Wohnung lässt.

Wird die Wohnung nicht zur Zufriedenheit des Vermieters gehalten, kann er dem Mieter sogar kündigen, wenn dieser die Wohnung nach einer Beanstandung nicht in Ordnung bringt. Dementsprechend ernst nehmen Mieter die ‚inspections‘.

Ich habe von Arbeitskollegen gehört, die Tage im Voraus beginnen ihre Wohnung zu putzen und herzurichten – manchmal helfen sogar die Eltern mit, um sicherzustellen, dass der Vermieter nichts zu beanstanden hat.

Ganz so dramatisch ist es meiner Erfahrung jedoch nicht. Ich habe bereits drei ‚inspections‘ problemlos überstanden, ohne drei Tage vor dem Termin Besen und Staubwedel zu schwingen. Meistens werfen die Vermieter – oder in meinem Fall der ‚real estate agent‘ – nur einen kurzen Blick in jeden Raum und machen Fotos.

Wohnen in Australien ist Übungssache

Wie du siehst, ist das Wohnen in Australien in mancher Hinsicht anders als in Deutschland. Meine erste Wohnungssuche und die Anfangszeit in meinem ersten australischen Apartment waren abenteuerlich.

Dank australischer Bekannter, Arbeitskollegen und stundenlanger Internetrecherche habe ich gelernt, wie man sich durch Australiens Wohnungsmarkt hindurch navigiert und welche Rechten und Pflichten man hier als Mieter hat.

Wenn du Fragen zum Wohnen in Australien hast, schreibe mir einfach einen Kommentar, eine Email oder melde dich via Instagram. Und falls du gerade eine Mietwohnung in Australien suchst, findest du hier jede Menge Tipps rund ums ‚house hunting‘.

Alles Liebe,

Kategorien Auswandern
Sonja

über

Nach zehn Jahren als Redakteurin, Social Media und Content Manager in Deutschland habe ich im Juli 2017 zwei Koffer gepackt und bin von Nürnberg nach Melbourne gezogen. Wie es ist, auszuwandern und auf der anderen Seite der Welt zu leben, und was du auf deiner eigenen Reise nach Australien nicht verpassen solltest, erfährst du auf nextstopmelbourne.com.

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